Perowskit Solarzellen – Effizienz der nächsten Generation

Perowskit Solarzellen
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Unsere Sonne strahlt pro Jahr den unglaublichen 10.000-fachen Energiebedarf der gesamten Menschheit auf die Erde ab. Seit langer Zeit ist sich der Mensch über das unheimliche Energiepotenzial der Sonne bewusst und doch wird derzeit nur 2% des globalen Energiebedarfs durch Sonnenenergie gedeckt. In Deutschland ist dieser Wert zwar um ein paar Prozent höher, doch da ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben.

Ein Grund hierfür war der bisherige Umstand, dass die Produktion und Wartung von Solarzellen verhältnismäßig teuer ausgefallen ist, sowie auch die Tatsache, dass die Energiegewinnung im Verhältnis zu anderen Methoden relativ niedrig ist. Perowskit Solarzellen könnten hier den Durchbruch erzielen, doch warum ist dies mit dem bisherigen Rohmaterial, dem Silizium, nicht möglich? Und wie können Sie sich als Privatperson Photovoltaikanlagen möglicherweise zu Nutze machen?

Der Hoffnungsträger Perowskit

Bei Perowskit handelt es sich um eine kristalline metallische Verbindung, die Sonnenlicht höchst effizient in elektrische Energie umwandeln kann und dabei in gleichem Maße besonders günstig zu verarbeiten ist.

Bisherige Solarzellen verwenden nämlich Silizium, welches auf der Erde zwar in Hülle und Fülle vorhanden ist, jedoch nur in seiner reinsten Form für die Nutzung in Solarzellen verwendet werden kann. Die meisten Vorkommnisse von Silizium sind also für die Herstellung von Solarzellen nicht geeignet.

Um Solarzellen nachhaltig salonfähig zu machen bedarf es zwei wichtiger Aspekte. Einerseits muss die Herstellung der Solarzellen- und Anlagen günstiger werden, sodass sie unter akzeptablen wirtschaftlichen Verhältnissen produziert und betrieben werden können.

Vor allem für kleinere Verbraucher sind die Anschaffungskosten, sowie die Kosten für die Instandhaltung von Solarpaneelen heutzutage über viele Jahrzehnte hinweg ein absolutes Nullnummernspiel. Andererseits müssen die Solaranlagen ihrerseits ein Maximum an Sonnenlicht in nutzbare Energie umwandeln können, um während des Betriebs eine rentable Menge an Energie zu produzieren.

Derzeit schaffen die besten Solaranlagen mit Solarzellen basieren auf Silizium knapp über 25% an Durchsatz, was schon nicht schlecht ist. Dies bedeutet, dass 25% der empfangenen Sonnenenergie in nutzbare Energie umgewandelt werden kann. Perowskit Solarzellen sind hier auf einer unglaublichen Aufholjagd. Erste Prototypen lagen bei wenigen Prozent. Solarzellen aus Perowskit aus 2013 konnten bereits einen Durchsatz von ungefähr 20% erreichen, 2018 wurde ein Rekordwert von über 25% erzielt und der theoretische Maximaldurchsatz liegt weit über dem theoretischen Maximum von Silizium (knapp 30%).

Perowskit Solarzellen sind somit:

  • Günstiger
  • Effizienter
  • Vielseitig einsetzbar

Flächendeckende Perowskit Solarzellen als Zukunftsvision

Eine preisgünstige Verfügbarkeit von Solarzellen könnte unsere Energiegewinnung auf den Kopf stellen. Der Montage von Paneelen in allerlei Positionen und Gebieten stünde nichts mehr im Wege.

Heute ist dies noch eine teure Angelegenheit. Anders als bei Solarzellen die auf Silizium basieren, könnte man Perowskit Solarzellen auch auf flexible Oberflächen auftragen, wie beispielsweise auf Autos, Busse und Bahnen. Dächer von ganzen Stadtteilen könnte man flächendeckend und preisgünstig mit Solarzellen bestücken und somit den Anteil von jener Energie, der durch die Sonne gewonnen wird um ein Vielfaches ankurbeln.

Immer wieder wird unterschätzt, dass auch kleine Privatverbraucher und Besitzer von Einfamilienhäusern und kleinen Grundstücken in der Masse über ein unglaublich großes Potenzial verfügen und die gewonnene Energie dabei natürlich auch abgeben könnten.

Energie ins lokale Netz einspeisen

Auch für Sie als normalen Konsument könnten die neuartigen Perowskit Solarzellen interessant werden, denn falls Sie Energie durch Photovoltaikanlagen auf Ihrem Grundstück produzieren, können Sie diese auch bei einem Überschuss in das öffentliche Energieversorgungsnetz einspeisen lassen. Jede Person, die selbst Energie produziert, darf diese Energie nämlich verkaufen. Privatpersonen erhalten hier bessere Konditionen, als große Energielieferanten.

Informieren Sie sich hier am besten direkt bei Ihrem regionalen Netzbetreiber. Die gesetzlichen Bestimmungen und finanziellen Vorteile sind von Land zu Land unterschiedlich. Sobald Perowskit Solarzellen bereit für die Massenproduktion sind, wird sich die Energiewirtschaft nachhaltig verändern.

Perowskit-Solarzellen im Vergleich: Technologie, Fortschritte und Einsatzmöglichkeiten

Seit dem Erscheinen dieses Artikels hat sich die Forschung rund um Perowskit-Solarzellen rasant weiterentwickelt. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Aspekte zusammen und zeigt, wo die Technologie heute steht.

Aspekt Aktueller Stand und Hintergründe
Wirkungsgrad im Labor Während der Artikel von 2018 noch einen Rekordwert von 25 Prozent erwähnte, haben einzelne Perowskit-Solarzellen im Labor inzwischen Wirkungsgrade von über 27 Prozent erreicht. In Kombination mit Silizium, sogenannten Tandemzellen, erzielte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE im September 2024 sogar 31,6 Prozent. Im April 2025 meldete der chinesische Hersteller LONGi Solar für eine Perowskit-Silizium-Tandemzelle einen Rekordwert von 34,85 Prozent.
Stabilitätsproblem und Fortschritte Die größte Herausforderung bei Perowskit-Solarzellen war lange ihre Empfindlichkeit gegenüber Hitze, Feuchtigkeit und Licht. Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung des Helmholtz-Zentrums Berlin gelang es 2025, eine Perowskit-Solarzelle mit knapp 27 Prozent Wirkungsgrad zu entwickeln, die auch nach 1.200 Stunden Dauerbetrieb keine messbare Leistungsminderung zeigte. Das entspricht rund einem Jahr realem Außenbetrieb.
Tandemzellen mit Silizium Die vielversprechendste Anwendung ist die Kombination von Perowskit mit herkömmlichen Siliziumzellen zu sogenannten Tandemsolarzellen. Dabei nutzt die Perowskit-Schicht oben das kurzwellige blaue Licht, während die darunter liegende Siliziumschicht das langwellige rote Licht absorbiert. So wird das Sonnenspektrum deutlich vollständiger ausgenutzt als bei reinen Siliziumzellen, die physikalisch auf einen Maximalwirkungsgrad von rund 29 Prozent begrenzt sind.
Kommerzielle Verfügbarkeit Das britische Unternehmen Oxford PV lieferte im September 2024 als eines der ersten Unternehmen weltweit kommerzielle Perowskit-Tandem-Solarmodule aus. Der Markt für Perowskit-Solarzellen wuchs laut Branchenangaben von rund 124 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf etwa 350 Millionen US-Dollar im Jahr 2024. Für den Massenmarkt und Hausdächer sind die Module jedoch noch nicht verfügbar, da Langzeitstabilität und Produktionskosten weiter verbessert werden müssen.
Recycling und Nachhaltigkeit Ein häufig genannter Kritikpunkt an Perowskit-Solarzellen ist ihr Bleigehalt, der beim Entsorgen problematisch sein kann. Das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg entwickelte 2024 ein Recyclingverfahren, mit dem sich bis zu 99,97 Prozent der verwendeten Materialien zurückgewinnen lassen. Darüber hinaus können Perowskit-Schichten bei deutlich niedrigeren Temperaturen hergestellt werden als Silizium, was den Energieeinsatz in der Produktion erheblich senkt.

Quellen: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (September 2024), Nature Photonics (November 2025), Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg (2024). Angaben zu Wirkungsgraden beziehen sich auf Laborbedingungen und können unter realen Bedingungen abweichen.

Fazit – Perowskit-Solarzellen: Eine Technologie auf dem Sprung

Die Sonne schickt uns täglich mehr Energie, als die gesamte Menschheit verbraucht. Dass wir bisher nur einen kleinen Bruchteil davon nutzen, liegt nicht am fehlenden Willen, sondern an den Grenzen der verfügbaren Technologie. Genau hier kommen Perowskit-Solarzellen ins Spiel.

Was noch vor wenigen Jahren als vielversprechendes Laborprojekt galt, hat sich seither beeindruckend entwickelt. Wirkungsgrade, die 2018 noch Rekordwerte darstellten, gelten heute als Standard. Tandemzellen aus Perowskit und Silizium haben die 30-Prozent-Marke bereits überschritten und zeigen, wohin die Reise geht. Die Herstellung ist günstiger, die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitiger und die Stabilität verbessert sich von Jahr zu Jahr spürbar.

Für Privatpersonen, die heute eine Solaranlage planen, bleibt bewährte Siliziumtechnologie die sichere Wahl. Wer jedoch die Entwicklung der Energiebranche verfolgt, sollte Perowskit im Blick behalten. Die Technologie steht kurz davor, vom Forschungslabor in den Alltag zu wechseln und könnte die Art, wie wir Sonnenenergie nutzen, in den nächsten Jahren grundlegend verändern.

Häufig gestellte Fragen zu Perowskit-Solarzellen

Das Thema Perowskit-Solarzellen wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie klare, geprüfte Antworten auf die fünf häufigsten davon.

Was genau ist Perowskit und woher kommt der Name?

Perowskit bezeichnet keine bestimmte Substanz, sondern eine kristalline Struktur, die nach dem russischen Mineralogen Lew Alexejewitsch Perowski benannt wurde, der im 19. Jahrhundert lebte. In Solarzellen wird diese Kristallstruktur mit speziellen organisch-anorganischen Verbindungen auf Basis von Halogeniden, meist Bleihalogeniden, nachgebaut. Das Besondere daran ist, dass sich diese Struktur in extrem dünnen Schichten auftragen lässt und dabei Sonnenlicht außerordentlich effizient in elektrische Energie umwandelt. Im Labor wurde diese Eigenschaft erstmals um das Jahr 2009 für Solarzellen genutzt.

Sind Perowskit-Solarzellen bereits für Privathaushalte kaufbar?

Noch nicht für den breiten Markt. Das britische Unternehmen Oxford PV lieferte im September 2024 als einer der ersten Anbieter weltweit kommerzielle Perowskit-Tandemmodule aus, allerdings zunächst an Geschäftskunden und Forschungspartner. Für Privathaushalte und Dachanlagen sind die Module noch nicht flächendeckend verfügbar, da Fragen der Langzeitstabilität und der günstigen Massenproduktion noch nicht vollständig gelöst sind. Experten rechnen damit, dass Perowskit-Tandemzellen für den Heimbereich realistischerweise ab dem Ende der 2020er Jahre verfügbar sein könnten.

Wie unterscheiden sich Tandemzellen von normalen Solarzellen?

Eine herkömmliche Siliziumsolarzelle kann nur einen bestimmten Teil des Sonnenlichts nutzen und ist physikalisch auf einen Maximalwirkungsgrad von rund 29 Prozent begrenzt, den die Industrie bereits fast erreicht hat. Bei einer Tandemzelle werden zwei verschiedene Materialien übereinandergelegt. Die Perowskit-Schicht oben absorbiert das kurzwellige Licht, die Siliziumschicht darunter das langwellige. Dadurch wird das Sonnenspektrum deutlich vollständiger genutzt. Das Fraunhofer-Institut ISE erzielte mit dieser Kombination im September 2024 einen Wirkungsgrad von 31,6 Prozent im Labor.

Warum sind Perowskit-Solarzellen noch nicht überall verbreitet?

Das Haupthindernis war lange die mangelnde Langzeitstabilität. Perowskit-Materialien reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, Hitze und anhaltende Lichteinstrahlung und verloren in frühen Versionen nach kurzer Zeit deutlich an Leistung. Herkömmliche Siliziummodule halten hingegen 25 bis 30 Jahre problemlos. Ein weiteres Thema ist der Bleigehalt vieler Perowskit-Verbindungen, der beim Entsorgen der Module berücksichtigt werden muss. Neue Recyclingverfahren und verbesserte Schutzbeschichtungen, wie eine 2025 in Nature Photonics veröffentlichte Methode, bringen die Technologie jedoch Schritt für Schritt näher an die Marktreife.

Lohnt es sich für Senioren, jetzt noch in eine Photovoltaikanlage zu investieren?

Ja, denn die heute verfügbaren Siliziumsolaranlagen arbeiten zuverlässig, haben sich über Jahrzehnte bewährt und erlauben es, überschüssig produzierten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen und dafür eine Vergütung zu erhalten. Wer auf Perowskit-Technologie wartet, könnte noch mehrere Jahre auf eine praxistaugliche Lösung für den Heimbereich warten. Sinnvoller ist es, sich jetzt von einem unabhängigen Energieberater oder dem regionalen Netzbetreiber über die aktuellen Fördermöglichkeiten und Einspeisetarife zu informieren, die sich von Land zu Land unterscheiden.


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